Markus Daniel . Tiefe Eindrücke

Tiefdrucker!!!

Er lebt in Innsbruck

und steht in ständiger Verbindung mit seinen Südtiroler Wurzeln.

Seine Kunst ist radikal wie malerisch,

sein Fokus liegt auf dem Menschen und dessen Umfeld.

Markus führt uns seine Beobachtungen vor Augen.

Der Blick für das Schöne im kritischen Spiegel der Realität eingefangen

mit literarischer Kopfnote.

Ein neues Spiel beginnt, wenn die banalen Tatsachen teils hinter einem Schleier verschwinden

und der Betrachterin die Freiheit obliegt, den Kontext des Bildes freizuschaufeln.

Es wird Verwirrung gestiftet, um die Konzentration zu stärken.

Was bleibt ist nicht zu viel Konkretes und nicht zu wenig.

 

 

 

 

aktuelle Auseinandersetzung mit der Körperlichkeit der japanischen Sumoringer

@md

 

Markus Daniel nennt sich selbst einen Grenzgänger.

Nie gehe er in der Mitte des Weges, sondern immer am äußeren Rand,

denn Grenzen müssen in der Kunst ständig neu ausgelotet werden.

 

Der selbstkritische Künstler feilt ununterbrochen an seiner Technik.

In der Unzufriedenheit liegt sein persönlicher Antrieb und das Streben nach

dem absoluten Maximum fordert ihn heraus.

 

 

Was ist Kunst?

„Kunst kann nicht das Alltägliche sein. Sie liegt außerhalb der Normalität in jeder Hinsicht.

Der Umweg ist das Ziel.“

 

 

Entwicklung

Der Tiroler Künstler aus Laas (Südtirol), der die Ausbildung zum Steinmetz und Bildhauer absolvierte, arbeitet bis heute in diesem Berufsfeld, welches zumeist die Dritte Dimension bedient.

 

Aufgewachsen ist er bei seinen Großeltern auf einem kleinen Bauernhof.

Die Erinnerung an:

die Fülle an Eindrücken und Gegenständen im bäuerlichen Umfeld,

den Großvater wie er hoch konzentriert und mit einer inneren Ruhe und Disziplin kleine Holzbündel akkurat zusammenband, einem modernen Kunstwerk gleich,

seine Großmutter als gestandene Frau, die ihm Bodenhaftung verlieh

und sein jugendlicher Leichtsinn, der oft die Nerven seiner Umwelt strapazierte,

versetzen ihn zurück in vergangene Momente.

 

 

Ein Kunstlehrer, der Hofer Kurt, hat ihn als Junge zum Zeichnen ermutigt und seine Begeisterung für die Kunst geweckt.

 

Von Tiroler Künstlern wie Paul Flora, Markus Vallazza und Karl Plattner, welche immer wieder in der Öffentlichkeit Präsenz zeigten, beeinflusst, kam er so bereits in jungen Jahren mit manueller Druckgrafik in Kontakt.

 

 

Druckgrafik

Seine Berufslaufbahn startete mit der Restaurierung alter historischer Gebäude und während dieser Zeit hat ihn sein Chef Michael Höllrigl mit der Liebe zur Radierung angesteckt.

Er brachte ihm bei, wie man Druckplatten aus Metall bearbeitet.

Diese wurden dann von externen Druckern abgezogen, also auf Papier gedruckt.

Bereits im Mittelalter war dies ein eigenes Berufsbild und diese Arbeit wurde von geübten Handwerkern ausgeführt.

 

Die Technik des Abziehens einer Druckplatte entscheidet letztendlich, wie das Ergebnis auf Papier aussieht. Kein Druck gleicht dem vorhergehenden zu 100%, weil so viele Faktoren Einfluss nehmen.

 

2010 traf Markus auf Mag. Rudi Hörschläger aus Wallsee-Sindelburg, einen Kupferdrucker, Lithographen und Maler.

Für seine erste Ausstellung ließ er von ihm die Abzüge herstellen.

Von ihm lernte der Tiroler Künstler die Technik des Druckens und das Handwerk des Tiefdruckers von Grund auf kennen.

Die volle Kontrolle über alle Disziplinen bedeutet den größten Einfluss auf das Resultat.

 

 

@René Riller

 

Eine Freundschaft entstand und seither gibt es einmal im Jahr ein Wiedersehen in Wallsee-Sindelburg zwischen Rudi, Markus und der Werkstatt und es wird natürlich gedruckt.

 

 

„Wer radiert steht auf halbverlorenem Posten“

Der Idealismus nervt manchmal, meint Markus Daniel.

 

Man steckt sehr viel Zeit und Arbeit in die Erstellung eines Druckes.

Vom Bearbeiten der Druckplatte bis zum fertigen Abzug auf Papier ist ein weiter Weg.

Dies wird aber leider in der Kunstwelt nicht honoriert. Ganz im Gegenteil.

Der Wert sinkt, sobald es um Druckgrafik geht.

Weil die Tiefdrucktechnik heute nur noch wenig bekannt ist, besteht hier ein großer Bedarf an weiterer Vermittlungs- und Überzeugungsarbeit.

Den Künstlerinnen geht es nicht mehr um die Vervielfältigung, sondern um die Vielzahl an Techniken und Ausdrucksmöglichkeiten und den einzigartigen Charakter der Werke.

 

 

@md

 

Heimat

Tirol und Italien teilen sich den Platz in seinem Herzen und seinem Ausdruck.

Ich habe Markus danach gefragt, wie ihn die Heimat als Mensch und Künstler beeinflusst hat. Abgesehen von Bergen und Tälern im gegenständlichen Sinn hat ihn noch viel stärker die Südtiroler Gesellschaft mit jener angespannten Zerrissenheit zweier Kulturen und dem Umgang mit der Geschichte, welche in seiner Jugend kaum thematisiert wurde und doch spürbar war, geprägt.

 

Er hat einen Weg gefunden diese Themen in seine Kunst einzuflechten. Eine Form von stiller Kritik, welche unter der Oberfläche brodelt, oftmals nicht auf den ersten Blick wahrnehmbar, und doch bei näherer Betrachtung ihre Botschaft preisgibt.

 

 

 

 

@md

 

„Des Italienische hot gonz an onderen Sprochwitz“

Tirolerisch und Italienisch – zwei komplett verschiedene Welten – diese beiden Sprachen wurden instrumentalisiert und haben ganz sicher auch traumatisiert.

Aus dieser Situation entstand jedoch gleichzeitig eine neue Vielfalt, welche ihm die Möglichkeit bot, die jeweiligen kulturellen Besonderheiten für sich zu nutzen.

 

 

Mensch Markus!

Markus habe ich als sehr umgänglichen und charismatischen Menschen kennen und schätzen gelernt. Seine Bescheidenheit ist Ausdruck seiner inneren Stärke und harmoniert mit dem Bestreben seine Ideen ohne Kompromisse umzusetzen.

 

Als Vorstandmitglied im Atelier für Druckgrafik Hall in Tirol motiviert und inspiriert er die Mitglieder mit seinem Tatendrang, wenn die Nacht oft zum Tag wird und mit seinen Drucken, welche plötzlich in der Werkstatt zum Trocknen hängen und neugierig machen.

 

 

@md

 

Es ist spannend ihm über die Schulter zu schauen und ihn nach den Techniken auszufragen, welche man selbst noch nicht ausprobiert hat.

In der Werkstatt wird gearbeitet.

Es wird Metall geschnitten, geschliffen, gekratzt, geätzt, beschichtet, erhitzt, Farbe aufgetragen, Farbe abgewischt und experimentiert bis der Rauch aufgeht und die orangen Säurespritzer das Becken bedecken. Gerüche, Geräusche und Fetzen in den unterschiedlichsten Brauntönen nehmen den Raum ein.

 

 

       

@cjas

 

 

 

Übung

Aktzeichnen bedeutet den menschlichen Körper verstehen lernen

und zu trainieren, wie man das Gesehene auch begreift, fühlt und gleichzeitig mit seinen Händen in eine Zeichnung transformiert.

 

Zeichnungen sind die Grundlage seiner Kunst und schaffen die Nähe zum Inhalt.

Ob als Teilnehmer bei der art didacta, oder bei Aktabenden in der Galerie Nothburga, dem Atelier für Druckgrafik oder der Gruppe 84;

 

 

       

@md

 

Markus Daniel ist begeistert davon, Körperformen und Gesten zu entdecken und in Linien, Flächen und Schraffuren umzuwandeln. Oft wird dann aus einer Skizze mittels Vernis mou direkt eine Tiefdruckgrundlage.

 

„I denk wi a Bildhauer – wenn i nit weiterkimm muss i in die 3. Dimension“

Ein Autodidakt findet Wege und Mittel seine Ideen auf seine ganz eigene Art umzusetzen. Und wenn einmal eine Skizze einfach nicht seinen Vorstellungen entspricht, werden Papier oder selbst die Metallplatte einfach verbogen, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten.

 

 

Kunstsinn

Kunst bestimmt sein Denken und Handeln, sodass sich alles andere um ihn herum oft zum Hintergrundbild verwandelt.

 

Besonders gerne spürt er dem Alterungsprozess nach. Material ist interessanter, wenn es bereits eine Geschichte hat. Metallplatten mit offensichtlichen Beschädigungen werden bevorzugt, ihre Schönheitsflecken erkundet und mit Inhalt gefüllt.

 

Die Druckplatten aus Aluminium sind weich und ideal, um Zustandsdrucke abzuziehen. Wenn die schwere Druckerpresse die in den Vertiefungen hängengebliebene Farbe in das feuchte Büttenpapier abgibt, werden auch die zuvor eingearbeiteten Strukturen flacher und geben so den Platz für Neues frei. So entstehen Serien der Veränderung und neue Bilderwelten, welche dem Stillstand trotzen.

 

Nicht Bewegung, sondern Veränderung.

 

 

        

@md

 

@René Riller

 

 

Eine am Fensterbrett verendete Wespe dient als Vorlage für ein neues Projekt und wird von der Skizze bis zum fertigen Tiefdruck in eine Symphonie verwandelt.

 

 

@md

 

„I muaß den gonzen Weg gian, dass i dazua kimm wos i will“

 

Seine Bildwelten beginnen mit einer Fülle von Gegenständlichkeit und entwickeln sich immer weiter, bis der Zustand erreicht ist, welcher für ihn eine innere Klarheit ausmacht und den Betrachter gleichzeitig vor die Frage stellt, was hier genau zu sehen ist. Es geht nicht darum zu erahnen wie alles anfing, sondern eher darum, den Gedanken und das Gefühl dahinter zu transportieren.

 

 

Literatur beeinflusst seine Kunst und dient als Inspirationsquelle.

Schriften von Michel Houellebecq, Franz Kafka, Thomas Bernhard und Apuleius lassen ihn Hintergründe verstehen und erzeugen Bilderwelten der Verwandlung, des Ausdrucks und der Fantasie in seinem Kopf.

 

 

@md

 

Bei diesem Bild war mein erster Eindruck, dass ich zwei tote Marder und eine Gans erkenne, welche wie bei einem barocken Stillleben drapiert, eine gewisse Schwermütigkeit ausstrahlen.

Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass die Marderköpfe auch zwei besonders stark behaarten Brüsten gleichen…

Alles begann jedoch mit einer Frau und einem Mann und endete viel später damit, dass die Druckplatte auf den Kopf gestellt wurde und das Gesicht eines Mannes mit Brille mit starrem Blick den Fokus auf sich zieht.

Was siehst du?

 

 

Sein Plan für 2026 ist es, den Menschen zu entblättern und besonders viel nackte Haut zu zeigen.

Das Spiegelbild der Körperlichkeit muss nicht exakt sein. Vier Pinselstriche reichen oft, um die zuvor gegenständliche Skizze trotz der Reduktion verständlich zu machen. Die dargestellten Körper sind nicht immer perfekt, sondern eher menschlich.

Schönheit bedeutet überall etwas anderes.

Die Körper drücken Macht, göttliche Erhabenheit und Disziplin aus, oder Vergänglichkeit und Resignation. Mit etwas Ironie betrachtet, kann das Alter und die Veränderung auch viel Schönes in sich tragen. Durch Verfremdung und Auflösung verändern sich die Schwingungen des Bildes und das Offensichtliche verwässert.

Was bleibt, überlässt der Künstler dem Zuschauer.

 

 

@md

 

Kunst nach Außen tragen

Die Radiersommer in der Werkstatt/ Galerie Scheinhaus in Gaspoltshofen nutzten bereits einige Interessierte um von Markus das Kunsthandwerk der Radierung gelehrt zu bekommen.

 

 

@md

 

Nach der Teilnahme an einigen Gruppenausstellungen, wie zum Beispiel dem 36. Österreichischen Grafikwettbewerb, wurde Markus Daniel 2025 die erste Tiroler Soloausstellung angetragen.

 

Diese fand im Kunstforum (Troadkastn) in Kramsach statt und gab einen Einblick in das Schaffen und die Vielschichtigkeit des Tiefdrucks. Große Drucke, monochrome Drucke, farbige Drucke, Serien von Zustandsdrucken und die Druckplatten wurden präsentiert und füllten die Räume, als wären sie genau dafür geschaffen worden.

 

 

         

 

         

@cjas

 

Anfang 2026 hat Markus sein Atelier im Gemeinschaftsraum Ulla Dietz  in der Weiherburggasse 5 in Innsbruck bezogen. Den Raum teilt er sich mit weiteren drei Künstlerinnen und arbeitet dort an seinen Ideen.

 

 

@cjas

 

Am 9. und 10. Mai 2026 öffnet er den Raum für die TOA (Tage des offenen Ateliers Tirol) und lässt uns in seine Welt eintauchen.

 

 

         

 

 

 

 

   

@md

 

Ende des Jahres (24. November –bis 19. Dezember 2026) kann man seine Drucke in einer Ausstellung in der Galerie Nothburga besichtigen.

 

Schaut rein!

 

 

 

 

 

Die Texte in diesem Beitrag sind urheberrechtlich geschützt und stammen von Claudia J.A. Lechner. Die Beitragsbilder sind urheberrechtlich geschützt und wurden von Markus Daniel (@md), René Riller und Claudia J.A. Lechner (@cjas) zur Verfügung gestellt.

 


Kommentare

2 Kommentare zu „Markus Daniel . Tiefe Eindrücke“

  1. Avatar von Petra Obernosterer-Heis
    Petra Obernosterer-Heis

    Im Zuge der TOA habe ich mir das Atelier von Markus Daniel angesehen.
    Vielen Dank für den tieferen Einblick in die Technik. Ich kann dieser Art von diffuser Ästhetik viel abgewinnen.

  2. Avatar von Mina la Verde
    Mina la Verde

    Liebe Claudia !
    Danke für die muttertags Glückwünsche! 🌸
    Ich wollte fragen, ob wir uns auch persönlich einmal zu einem Gespräch oder Kennenlernen treffen könnten ?
    Liebe Grüße und noch einen schönen kreativen Tag wünscht dir Mina

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